Fahredin Bunjaku, 37, ist unter den albanischen Imamen der einzige, der als Dachdeckermeister in der Schweiz arbeitet.
Bunjaku kommt aus Gjilan, das Studium zum Imam hat er an der Fakultät in Jordanien abgeschlossen. In die Schweiz ist er 2003 gekommen und übt hier seinen Beruf als Imam aus, jedoch vollkommen ehrenamtlich, neben der Arbeit auf dem Bau.
Zuerst emigrierte Fahredin Bunjaku in den Thurgau, von dort ging er nach Zürich. Hier ergriff er auch die Initiative für die Eröffnung einer Moschee in Zürich Nord, Schwamendingen, Örlikon.
In diesem Teil von Zürich zeigte sich ein Bedarf für eine neue Moschee, sagt der Imam aus Gjilan, obwohl der Kanton Zürich am meisten religiöse Gebäulichkeiten hat, die albanischen muslimischen Gläubigen dienen.
„Hier wohnen viele Albanerinnen und Albaner, denen es aufgrund ihres Alters nicht möglich war, öfters eine Moschee zu besuchen. Doch auch für die Arbeiter ist es eine Erleichterung, an den Freitagen für das obligatorische Gebet in der Moschee hierher kommen zu können“, betont er.
Dass er die Eröffnung einer Moschee initiiert hätte, um Arbeit als Imam zu finden, verneint er klar, und bis heute arbeitet Bunjaku denn auch auf dem Bau und baut Dächer in der Schweiz.
Ehrenamtliche Arbeit in der Moschee
„Ich denke nicht, dass die Moscheen wegen der Interessen bestimmter Gruppen oder Imame eröffnet wurden, sondern weil sie ein Bedürfnis der albanischen muslimischen Gemeinschaft waren. Die Anzahl Moscheen in Zürich ist ausreichend, und alle diese Stätten braucht es, und ich glaube nicht, dass jemals eine von ihnen mangels Gläubigen geschlossen worden ist.“
Das Gebäude der Moschee mit einer Fläche von 200 m2 befindet sich gegenüber dem ehemaligen Kreisbüro Schwamendingen .
Am Anfang war es eine kleine Gruppe von Gläubigen, die dem Imam aus Gjilan folgten, unterdessen ist ihre Zahl auf 200 Mitglieder angewachsen.
„Wir predigen einen richtigen Islam, einen Islam, der auch zu dem Land passt, in welchem wir leben“, sagt der 37-jährige, und ist nicht der Meinung, dass Moscheen den Dschemat (die Gläubigengemeinde) entzweien würden.
„Die Moscheen machen glücklicherweise keine Unterschiede des Dschemats, woher die Leute kommen, ob sie aus Makedonien, Kosova oder dem Preshevatal sind. Die Moscheen sind in erster Linie albanisch und vertreten alle Albaner, woher sie auch kommen. Ich rufe immer dazu auf, solche Teilungen zwischen uns zu vermeiden. Wir unterscheiden uns aber trotzdem als Moschee, denn wir haben mehr Albanerinnen und Albaner aus Kosova“, erklärt der Imam.
Von Anfang an hatte Bunjaku als Bauarbeiter gearbeitet und war nicht von der Arbeit als Imam in der Moschee abhängig. In der Moschee übt er die Mission des Imams ehrenamtlich aus, ohne eine Entschädigung irgendwelcher Art.
„Wir versuchen, den Dschemat dieser Moschee im richtigen islamischen Geist zu erziehen.“
„Wahrscheinlich die Mehrheit der Angehörigen des Dschemats hat schon öfters gefragt, weshalb ich nicht ordentlicher Imam dieser Moschee sein könne.“
Der Anfang war nicht einfach gewesen für den albanischen Imam, doch nun hat er es leichter, da er Dachdeckermeister geworden ist.
Verständnis vom Schweizer Chef
Der Imam geniesst grosses Vertrauen bei seinem Chef, der Schweizer ist und immer Verständnis für ihn gezeigt hat. „Mein Chef ist nicht Muslim, doch er hat Verständnis für mich als Imam und gibt mir wenn immer nötig frei bei der Arbeit“, sagt Bunjaku. Die ganze Belegschaft in der Firma Weber Dach AG, wo der albanische Imam arbeitet, besteht aus Nichtmuslimen, doch stiess Bunjaku bei allen immer auf gegenseitiges Vertrauen.
„Alle wissen, dass der Freitag für mich ein besonderer Tag ist, und wir reden immer über den Glauben und nie bin ich Vorurteilen von ihrer Seite über mich begegnet“, sagt Bunjaku. Es tut ihnen im Gegenteil sogar leid, wenn schlimme Ereignisse, die mit dem Islam zu tun haben, passieren.
Der Freitag ist der schwierigste Tag der Woche, weil der Imam sich für eine Ansprache vor dem Dschemat vorbereiten muss, und es vorkommt, dass er sich irgendwo im Terrain befindet.
Müsste er wählen zwischen der Arbeit als Imam und jener auf den Dächern, würde er gerne die Mission eines religiösen Führers ausüben, den Beruf, zu welchem er auch ausgebildet ist.
Er sagt, die Einheimischen hätten die Moschee und ihre Gläubigen gut aufgenommen und bis jetzt habe er keine Klagen von den Anwohnern entgegennehmen müssen.
Der Imam nimmt sich Zeit und organisiert regelmässige Zusammenkünfte für die Jungen, regelmässige Ansprachen freitags und sonntags, und bietet 45 albanischen Kindern regelmässigen Religionsunterricht. „In unserer Moschee tragen wir auch zum Erhalt der Sprache und der nationalen Traditionen bei“, erzählt Bunjaku.
Die Moschee, in welcher Bunjaku dient, organisiert humanitäre Aktionen. Die gesammelten Spenden werden in die Herkunftsländer geschickt, für die Armen und Waisenkinder.
Bunjaku hat die Leidenschaft für seinen Beruf als Imam weitergegeben. Drei Kinder von ihm haben seit sie vier Jahre alt sind nebst dem albanischen auch das arabische Alphabet gelernt.
Keine Vorurteile der Arbeitskollegen
Die ganze Belegschaft in der Firma Weber Dach AG, wo der albanische Imam arbeitet, besteht aus Nichtmuslimen, doch stiess er bei allen immer auf gegenseitiges Vertrauen. „Alle wissen, dass der Freitag für mich ein besonderer Tag ist, und wir reden immer über den Glauben und nie bin ich Vorurteilen von ihrer Seite über mich begegnet“, sagt Bunjaku. Es tut ihnen im Gegenteil sogar leid, wenn schlimme Ereignisse, die mit dem Islam zu tun haben, passieren.
